5. Zug
USK Gifhorn

Entstehung des Schützenwesens

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[Bilder von damaliger Zeit auffindbar?]


Entstehung des 5. Zuges

Vorgeschichte zur Gründung des 5. Zuges im Uniformierten Schützenkorps Gifhorn von 1823 e.V.

(Auszug aus dem Gifhorner Schützenbuch „Eintracht und Bürgersinn“ von Günter Weinhold)

Seit Jahrhunderten war die damalige Gifhorner Bürgerschaft nach dem „Bürger-Eydt“ verpflichtet, zur Stadtverteidigung bereitzustehen und sich „bei eräugender (sichtbarer) Gefahr dem giesigen Castel bestens mit zur Hilfe zu kommen und mit benötigter Wache zu besetzten.“ Zu diesem Zweck waren die waffenfähigen Bürger in Corporalschaften eingeteilt. Diese Einheiten bilden jedoch keine feste Formation, sondern eine lose Verbindung, deren Angehörige nach beendeter Gefahr in das private Leben zurücktraten.

Um für diesen Verteidigungsfall gerüstet zu sein, musste mehrmals im Jahr Schießübungen abgehalten werden, deren Höhepunkt das Vogelschießen war, das sich im Laufe der Zeit zu dem heutigen Scheibenschießen gewandelt hat. Die Bürger-Coporalschaften waren demnach ausführende des Gifhorner „Frei- und Scheibenschießen“, dessen Träger seit Jahrhunderten die Stadt Gifhorn ist.

Jede Division bestand anfangs aus 19 Mitgliedern, die beim Schützenfest 1823 bereits voll uniformiert waren. Als Bekleidung der Schützen war die vom Herzog von Cambrige in seiner Eigenschaft als Generalgouverneur und Generalfeldmarschall der hannoverschen Armee eingeführte Uniform des ehemlaigen Landsturms ausgewählt worden die aus einem „dunkelblauen polnischen Rock bis an die Knie mit rotem Kragen“ bestand Lediglich der „runde Hut“ des Landsturms wurde einem Tschako ersetzt. Als Beschaffung trugen die Schützen ein Gewehr und einen Hirschfänger, die Offiziere einen Degen.

Im Laufe der Jahre hat sich die Kopfzahl der beiden Divisionen verändert, so dass im Jahre 1829 ein neuer Zug – nämlich der dritte – gegründet wurde, den der Kaufmann Christoph Feldmann übernahm.

Zehn Jahre sollte es dauern, bis wieder eine Veränderung in der Struktur des Schützenvereins eintrat. Im Jahre 1839 entstand ein weiterer Zug, nämlich die vierte Division, die dem Schlossermeister Wilhelm Ulrici anvertraut wurde.

Nach den napoleonischen Kriegen kam der Gedanke auf, dem in Gifhorn alljährlich abzuhaltenden Schützenfest „ein regelmäßiges und glänzendes Ansehen“ zu geben. So kam es, dass sich am 4. Mai 1823 ein Schützenkorps gründete, dem der Magistrat sogleich seinen Segen erteilte. Diese von dem Hutmacher Wilhelm Herbst als Hauptmann geführte neue Vereinigung nannte sich zu der Zeit „Freiwillige Bürger-Schützenverein“ und bestand aus zwei Zügen, die man damals Division nannte. Zugführer wurden Postverwalter Heinrich Renneberg und Färbermeister August Schaumann, die beide den Rang eines Leutnants bekleiden.


Gründungsjahr des 5. Zuges

Durch Mitgliederzuwachs im Laufe der Zeit wurde im Jahre 1847 die Gründung einer weiteren Division erforderlich. Hauptmann C. A. Henninger, der inzwischen das Kommando über den Schützenverein übernommen hatte, ernannte daher am 25. Juli den Kaufmann Jeremias Menke zum Leutnant und übergab ihm die neu gegründete 5. Division, deren Schützen den eingangs erwähnten „dunkelblauen polnischen Rock bis an die Knie mit rotem Kragen“ und den Tschako trugen.

Menke gehörte einer angesehenen jüdischen Familie an, die im vergangenen Jahrhundert in Gifhorn ansässig war und die fast alle mit dem Schützenkorps sympathisierten und zum Teil auch Mitglieder waren. Ursprünglich als sogenannte Schutzjuden in Gifhorn ansässig, erwarben sie nach einer königlichen Erlaubnis vom 30. September 1842 fast alle das Bürgerrecht. Bereits in der ersten Stammrolle des Bürger-Schützenvereins aus dem Jahre 1823 sind die Kaufleute Salomon und Jonas Menke als Mitglieder verzeichnet.

Der neu ernannte Leutnant Jeremias Menke fühlte sich über seine Ernennung zum Offizier des Schützenkorps und der Übernahme der 5. Division sehr geehrt. Er stiftete daher im Jahr seiner Ernennung „dem Schützenverein“ einen silbernen Pokal, der heute noch beim Umtrunk am Donnerstagabend nach dem Fackelzug die Runde an der Königstafel macht.


Abschrift der Dankesworte von Hauptmann C. A. Henninger an den Pokalstifter J. Menke im Jahre 1847:

„Meine Herren,

Sie sehen hier diesen schönen Pokal, welchen uns Herr M. als Geschenk und zum Andenken überreicht. Und so glaube ich, können wir unseren aufrichtigen Dank nicht besser zu erkennen geben, als durch, dass wir ihn ehren durch stete Eintracht und jedes Mal, wenn wir daraus trinken, noch fester knüpfen!

Es ist, wie ich weiß, des freundlichen Gebers größter Wunsch, dass der Schützenverein in Einigkeit bis in die spätesten Zeiten fortbestehen möge. Und so lassen Sie uns denn meine Herren die Hände reichen zum bleibenden Freundschaftsbunde, und fest darauf halten nie Streit in unserer Mitte zu dulden, viel weniger anzustiften. Möge dieser Becher nie von den Lippen eines Falschen berührt werden, der es nicht ehrlich mit uns und der Eintracht meint.

Da es mir vergönnt ist, den ersten Trunk aus diesem Pokal zu tun, so sei auch der erste Trinkspruch: Dem verehrten Geber ein Lebe Hoch, ihm und seiner Familie Gesundheit und Frohsinn bis ins späte Alter, und dass seine Enkel und Urenkel bis in die späten Zeiten auch mit unsern Nachkommen aus ihm trinken mögen

Er lebe Hoch!

So gehe denn im Kreis herum und jeder trinke Eintracht und Bürgersinn aus dir, dann wirst du deinem Zweck erfüllen und uns jeder Trunk aus dir zum Segen gereicht.“


Ackerbürger Wilhelm Fricke Schützenkönig 1939 aus dem 5. Zug

Am 30. Januar 1933 begann mit der „Machtübernahme“ durch die Nationalsozialisten die Zeit des „Dritten Reiches“. Für das Schützenwesen sollte es in der Folgezeit einschneidende Veränderungen geben. Die Eintragungen im Protokollbuch des Schützenkorps aus dieser Zeit endeten am 21. April 1934. Der letzte Vermerk den Auditeur Carl Dänzer anlässlich einer Vorstandssitzung an diesem Tage eintrug, lautete: „Wegen Schrumpfung der Mitgliederzahl sollen der 8. und 9. Zug aufgelöst und dem 5. Zuge zugeteilt werden.“

Wenn auch die Eintragungen im Protokollbuch endeten, so lief der Schützenbetrieb in Gifhorn weiter. Es waren zwar etliche Mitglieder aus dem Verein ausgetreten, um sich den NS-Organisationen anzuschließen, der Fortbestand des Schützenwesens war jedoch nicht gefährdet. Auch die Schützenfeste wurden bis einschließlich 1939 gefeiert.


Am 1. September 1939 brach der zweite Weltkrieg aus. Die deutsche Wehrmacht war in Polen einmarschiert. Zuvor hatten die Gifhorner im Juni noch ihr Schützenfest gefeiert, dass trotz befohlener Änderungen seinen gewohnten Verlauf nahm. Am Donnerstagabend nahm Bürgermeister Kratz die Siegerehrung und Proklamation des Königs vor. Ackerbürger Wilhelm Fricke erhielt die Königskette umgehängt und bedankte sich mit mehreren Hochrufen bei seinen Gifhorner „Untertanen“. Über dieses Schießergebnis waren die Mitglieder des 5. Zuges besonders erfreut, denn Wilhelm Fricke gehörte diesem Zug an. Nach dem Königstrunk geleiteten seine Schützenbrüder ihren König nicht wie üblich zu Fuß nach Hause. Der Würde seiner Majestät entsprechend ging die Heimfahrt fünfspännig vor sich, wo er am I. Koppelweg von seiner Familie begrüßt wurde.

Währende des Krieges wurden die Schützenfeste in Gifhorn nicht mehr gefeiert. König Wilhelm Fricke musste daher über sein normales Schützenjahr hinaus weiterregieren, wenn es auch nur eine „Schattenregierung“ war. Er wusste damals noch nicht, dass es elf Jahre dauern sollte, bis er seine Königskette an seinen Nachfolger abgeben konnte.

Nach der Besetzung Gifhorns durch amerikanische Truppen am 11. April 1945 ruhte jeglicher Vereinsbetrieb. Der „noch regierende“ Schützenkönig Wilhelm Fricke war Mitglied in beiden Gifhorner Schützenkorps. So galt er als bester Schütze der Stadt auch als Korpskönig in beiden Vereinen. Während er das große Königsbadelier mit den vielen Silberplaketten nach dem Schützenfest 1939 an die Stadt zurück gegeben hatte, waren die beiden Korpsketten des Uniformierten Schützenkorps und des Bürgerschützenkorps in seinen Besitz geblieben. Als 1945 amerikanische Truppen unserere Stadt besetzten, fanden Verhöre und Hausdurchsuchungen statt, die auch beim Schützenkönig Fricke nicht halt machen. Um die beiden wertvollen Korpsketten vor den Amerikanern in Sicherheit zu bringen, haben Frickes sie kurzerhand in Seidenpapier gewickelt, in zwei Wurstbüchsen gelegt und diese zugedreht. So standen die Königsinsignien des Uniformierten Schützenkorps und des Bürgerschützenkorps – als Leber- und Rotwurst bezeichnet – im Stapel der Wurstbüchsen im Vorratsraum des Bauern Fricke I. Koppelweg. Durch diesen Einfall wurden sie nicht entdeckt und sind erhalten geblieben. Als die Gefahr vorüber war, konnte Erika, die Tochter des Schützenkönigs und jetzt verheiratete Bode, ihren Wurstbestand „bereinigen“ und die Königsketten wieder an Tageslicht holen.